FALLBEISPIEL: »
MONTAGEABLAUFSTEUERUNG« (MAUS)
1. Problemstellung
Im Rahmen eines Produktanlaufes wird bei einem Fahrzeughersteller eine
neue Fabrikationslinie für Radträger aufgebaut. Eine Hauptanforderung
an die geplante Anlage ist, dass die
Radträger, typspezifisch
versortet, für mehrere Fahrzeugproduktionen an verschiedenen Standorten,
»
just in time«
gefertigt und geliefert werden
sollen.
Zu diesem Zweck soll ein System eingesetzt werden, welches die Fertigungsaufträge
automatisch aus einer SAP-Auftragsverwaltung abruft und optimal sortiert
in den Fertigungsprozess einsteuert. Dabei soll vor allem die optimale
Befüllung der Transportbehälter unter Berücksichtigung
des Teilebedarfs des jeweiligen Empfängers gewährleistet werden.
Aber auch die Vorkommissionierung typspezifischer Anbauteile soll über
das System gesteuert werden.
Parallel dazu sollen an den einzelnen Arbeitsstationen in der Linie die
Auftragsdaten des jeweils zu bearbeitenden Radträgers angezeigt werden.
Dazu stehen MIS-Clientterminals zur Verfügung.
Ein System zur Montageablaufsteuerung muss daher aus den Auftragsdaten
dynamisch die Dokumente zur Darstellung im MIS erzeugen.
Aufgrund der umfangreichen Anforderungen und der engen zeitlichen Vorgaben
für die Planung und Umsetzung des Projektes kommt für den Kunden
nur ein Partner in Betracht, der über ausreichende Erfahrung in der
Realisierung umfangreicher IT-Systeme im industriellen Umfeld verfügt.
Er wendet sich daher an INTREX Systems in Dingolfing.
2. Consulting
2.1 Grobkonzept
Nach Erhalt des Beratungsauftrages beruft der bei INTREX Systems
verantwortliche
Projektleiter das Projektteam. Dieses unterzieht die Anforderungen,
sowie die beteiligten Geschäfts- und Fertigungsprozesse beim Kunden einer
Analyse, um den Rahmen für ein Grobkonzept festzulegen.
Bereits in dieser frühen Phase der Konzeptionierung des geplanten Systems
kristallisiert sich folgender Aufbau als geeignet heraus:
- ein Systemmodul "Datenimport" soll die Schnittstellenimplementation
zum übergeordneten SAP-System beinhalten und die Datensätze der Fertigungsaufträge
aus der Auftragsverwaltung in eine Datenbank transferieren
- ein Systemmodul "Datenüberprüfung" soll alle Systemfunktionen
ausführen, die zur Plausibilitätsüberprüfung der Fertigungsdatensätze
erforderlich sind. Dies ist notwendig, da einige der übernommenen
Daten manuell eingegeben werden müssen und fehlerhafte Datensätze
zu Produktionsunterbrechungen führen könnten.
- Ein Systemmodul "Pulkung" soll die Sortierung der Fertigungsdatensätze
nach dem Lieferort und der Sequenznummer durchführen. Dadurch wird
gewährleistet, dass die Radträger bedarfsgerecht, "just in time",
gefertigt und in der richtigen Reihenfolge verpackt und ausgeliefert
werden.
- Ein Systemmodul "Vorkommissionierung" soll die Bereitstellung
typspezifischer Anbauteile steuern, die rechtzeitig vor Montagebeginn
bestimmter Radträger in der richtigen Reihenfolge zum Verbau zur Verfügung
stehen müssen.
- Für die Kommunikation mit der untergeordneten Prozessebene ist ein
Systemmodul "Auftragseinsteuerung" vorgesehen. Dieses Modul
umfasst die Schnittstellenimplementation zu den für die Prozesssteuerung
zuständigen SPS-Systemen.
- Das Modul "Behälterlistenerstellung" führt Daten aus den
Fertigungsdatensätzen und der Pulkung zusammen, um die Behälterzettel
mit Inhaltsliste und Abladeort für die Transportbehälter auszudrucken.
Mit diesen Behälterzetteln ausgestattet, sind die Transportbehälter
versandbereit und können beim Empfänger der Radträger wieder in der
richtigen Reihenfolge in die Produktion eingesteuert werden.
- Ein Systemmodul "Dokumentenaufbereitung" bereitet die SAP-Auftragsdaten
so auf, dass sie von den an der Linie befindlichen MIS-Clients abgerufen
und dargestellt werden können.
- Ein Modul "Datenarchivierung" ist notwendig, um alle Fertigungsdaten
dauerhaft zu speichern und zu dokumentieren.
- Eine zentrale Verwaltungsoberfläche wird benötigt, um alle
Systemmodule über ein einheitliches, modernes Benutzerinterface konfigurierbar
zu machen. Außerdem soll die manuelle Einsteuerung von Aufträgen und
die Anzeige und Behandlung von Störungen hierüber erfolgen.
2.2 Fachkonzept
Auf der Basis des Grobkonzeptes werden im Projektteam zusammen mit dem
Kunden die konkret benötigten Systemfunktionalitäten ausgearbeitet. Auf
dieser Basis wird bei INTREX Systems
ein Fachkonzept ausgearbeitet,
in dem die Anforderungen an das zu erstellende System verbindlich festgelegt
werden. Beim Projekt "MAUS" stellen folgende Funktionalitäten Planungsschwerpunkte
dar:
- Der Datenaustausch zwischen der SAP-Auftragsverwaltung und dem Datenimportmodul
unter Berücksichtigung möglicher Fehlerzustände
- Festlegung der im Modul "Datenüberprüfung" zu implementierenden
Plausibilitätschecks und des Systemverhaltens im Fehlerfall
- Beschreibung der zur Pulkung von Radträgerpaaren verwendeten Algorithmen
und des Verfahrens zur manuellen Einsteuerung von Sonderaufträgen
- Konfiguration und Erstellung der Kommissionierlisten innerhalb des
Moduls "Vorkommissionierung"
- Aufbau und Funktionsweise der Kommunikation mit den SPS-Systemen
im Modul "Auftragseinsteuerung", einschließlich der Fehlerbehandlung
und der Behandlung manuell eingesteuerter Aufträge
- Die Erstellung von Behälterlisten, einschließlich vorgesehener Konfigurationsmöglichkeiten
- Die Dokumentenaufbereitung für die in der Linie eingesetzten MIS-Clients,
welche den Mitarbeitern die Auftragsdaten der Radträger darstellen
sollen. Die Dokumente werden aus den SAP-Auftragsdaten dynamisch erstellt
und den MIS-Clients zum Abruf zur Verfügung gestellt
- Die Konzeption der Datenarchivierung und Datenbankkonsolidierung
- Festlegen der Anforderungen an die IT-Infrastruktur
- Entwicklung eines Redundanzkonzeptes zur Optimierung der Gesamtverfügbarkeit
des Systems
- Beschreibung von Notstrategiekonzepten im Fehlerfall
- Die Funktionsweise des Konfigurationssystems, ausgehend von der
Verwaltungsoberfläche
- Die Festlegung der über die Verwaltungsoberfläche zugänglichen Bedienelemente
und Konfigurationsparameter, sowie deren Anordnung. Da die Verwaltungsoberfläche
mit minimalem Schulungsaufwand bedienbar sein soll, stellt dieser
Punkt ein besonders kritisches Merkmal im Gesamtprojekt dar
- Bedienkonzept für die manuelle Einsteuerung und Sperrung von Aufträgen
über die Verwaltungsoberfläche. Da Fehlbedienungen in diesem Bereich
zu Produktionsausfällen führen können, ist dies ebenfalls ein kritischer
Punkt im Gesamtprojekt.
- Berechtigungskonzept für den Zugriff auf funktionskritische Bereiche
der Verwaltungsoberfläche, um Produktionsausfälle oder Fehlproduktionen
durch fahrlässige oder mutwillige Fehleingaben zu vermeiden
- Festlegung der über die Verwaltungsoberfläche zugänglichen Diagnosefunktionen,
insbesondere über den Status der Teilprozesse des Systems, der Kommunikation
zur SAP-Auftragsverwaltung und der SPS-Systeme, sowie der Plausibilitätsprüfung.
Für produktionskritische Fehlerzustände wird ein Alarmierungsverfahren
festgelegt.
2.3 IV-Konzept
Nach Freigabe des Fachkonzeptes durch den Kunden wird INTREX Systems beauftragt,
ein
Detailkonzept zur technischen Umsetzung der Kundenanforderungen
in ein funktionierendes System auszuarbeiten. Für das Projektteam stellt
dies schon den Beginn der eigentlichen Entwicklungsarbeit dar, denn parallel
zur Erstellung des IV-Konzeptes werden bereits Prototypen als "proof of
concept" programmiert.
Im IV-Konzept werden die Vorgaben zur technischen Umsetzung des Projektes
festgelegt. Es stellt somit die Planungsbasis für die eigentliche Softwareentwicklung
dar:
- Beschreibung der eingesetzten Technologien. Um die Modularität und
Wartbarkeit des Systems zu gewährleisten, wird ein durchgehend objektorientierter
Entwicklungsansatz verwendet. Als Programmiersprache für die Verwaltungsumgebung
kommt C# zum Einsatz. Die Prozessmodule werden in C++
realisiert. Für die Dokumentenaufbereitung der MIS-Clients
wird Java verwendet.
- Ein Schnittstellenkontrakt zur Ankopplung der SAP-Auftragsverwaltung
mit detaillierter Beschreibung des Kommunikationsprotokolls wird ausgearbeitet
- Ein Schnittstellenkontrakt zur Anbindung der SPS-Systeme mit Beschreibung
des Anbindungsverfahrens und des Kommunikationsprotokolls wird ausgearbeitet
- Die Systemarchitektur wird entworfen, welche insbesondere die Struktur
der zugrunde liegenden Datenbank (physischer Datenbankentwurf), sowie
die Abbildung der im Fachkonzept beschriebenen Prozesse in ausführbare
Programme festlegt
- Die Kommunikationsschnittstellen der verschiedenen Systemmodule
untereinander, sowie zur Datenbank werden definiert
- Ein Behandlungskonzept für Fehlerzustände und Störungen wird aufgenommen
- Die Anforderungen an die Systeminfrastruktur werden festgelegt.
- Die Verzeichnisstruktur, in der die ausführbaren Systemmodule und
die Konfigurationsdateien abgelegt werden, wird beschrieben. Insbesondere
werden auch die Speicherorte der dynamisch erzeugten Dokumente für
das MIS festgelegt.
- Die technische Umsetzung des im Fachkonzept beschriebenen Redundanzkonzeptes
wird beschrieben
- Aufbau und Design des zentralen Konfigurationssystems mit der Verwaltungsoberfläche
wird festgelegt
3. Entwicklung
Auf Basis des IV-Konzeptes beginnt nun der Hauptteil der eigentlichen
Entwicklungsarbeit. Die Mitglieder des Entwicklungsteams machen sich unter
Koordination des Projektleiters daran, die einzelnen Module des Systems
zu implementieren. Parallel dazu wird in
Zusammenarbeit mit dem Kunden
eine geeignete Testumgebung geschaffen, um die einzelnen Entwicklungsstufen
des Projektes unter möglichst realitätsnahen Bedingungen testen zu können.
Insbesondere die Kooperation mit der SPS-Programmierung wird intensiv
überprüft.
Um den Verlauf möglichst transparent zu halten und einen ständigen Abgleich
mit dem Projektplan zu ermöglichen, werden wöchentliche
Meetings mit
dem Kunden abgehalten.
Selbstverständlich werden hierbei auch die Planungsgrundlagen ständig
neu überprüft, um
kundenseitige Änderungen der Rahmenbedingungen
möglichst frühzeitig und kostenneutral in die Entwicklung einfließen lassen
zu können. Die auf maximale Flexibilität und teamorientiertes Arbeiten
ausgelegte Organisation bei INTREX Systems bildet dabei eine wichtige
Voraussetzung für den schnellen Projektfortschritt während der Entwicklung
und gewährleistet gleichzeitig ein Maximum an Flexibilität, um geänderte
Rahmenbedingungen, oder zeitliche Anforderungen berücksichtigen zu können:
- Mit dem Projektleiter und seinem Stellvertreter steht dem Kunden
immer ein Ansprechpartner zur Verfügung, der Überblick über den gesamten
Projektverlauf hat. Dadurch wird die Kommunikation mit dem Entwicklungsteam
erheblich vereinfacht und die Projektorganisation kann kundenseitig
effizienter gestaltet werden.
- Die Verwendung von UML (unified modelling language) im Rahmen des
rapid application development gewährleistet die schnelle Abbildung
der im Fachkonzept beschriebenen Prozesse in Programmcode und beschleunigt
den Entwicklungsprozess erheblich
- Das Versionskontrollsystem CVS stellt die infrastrukturelle Grundlage
des teamorientierten Entwicklungsansatzes dar und ermöglicht die schnelle,
unabhängige Entwicklung einzelner Systemmodule, die Erzeugung von
Prereleases zu beliebigen Zeitpunkten des Entwicklungsprozesses, sowie
die Wiederherstellung beliebiger Entwicklungsstände der einzelnen
Module.
- Eine in Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelte, interne Testumgebung
ermöglicht die Überprüfung der Module schon während der Entwicklung
des Systems und gewährleistet einen ständigen Abgleich mit den im
Fachkonzept gestellten Anforderungen
- Ein nach BS7799 zertifiziertes Informationssicherheitsmanagementsystem
gewährleistet die Informationssicherheit während des Entwicklungsprozesses
und stellt z.B. Schutzmaßnahmen für Kunden- und Projektdaten sicher
4. Implementation und Test
Um die Fertigstellung der Software innerhalb des im Projektplan vorgesehenen
Zeitrahmens zu garantieren, wurden dem Projektteam kurzfristig zusätzliche
Entwicklungskapazitäten zur Verfügung gestellt.
Nun wartet die Releaseversion der Systemsoftware auf ihren
Praxistest
und die
Implementierung des Gesamtsystems beim Kunden beginnt.
Hierzu begibt sich das Projektteam vor Ort, richtet das System ein, führt
die Konfiguration und weitergehende Tests durch und begleitet das System
bis zur Abnahme durch den Kunden:
- Die Betriebsumgebung, insbesondere die Schnittstellen zur SAP-Auftragssteuerung
und zu den SPS-Systemen, werden auf Konformität mit den im IV-Konzept
festgelegten Spezifikationen überprüft und notwendige Anpassungen
vorgenommen
- Die Systemsoftware wird auf einem Testsystem beim Kunden installiert
und getestet
- Der Kunde überprüft im Rahmen einer Vorabnahme die Konformität des
Systems zu den im Fachkonzept festgelegten Anforderungen. Der Projektleiter
des Entwicklungsteams protokolliert, ob noch Restmängel vorhanden
sind, und übergibt sie zur Beseitigung an das Team
- Nach der Vorabnahme der Software erfolgt die Installation und Konfiguration
des Produktivsystems.
- Das Produktivsystem wird vom Entwicklungsteam abschließend überprüft.
Ein Testschwerpunkt liegt dabei auf der Funktionalität des Redundanzkonzeptes,
sowie der Wirksamkeit der vorgesehenen Notstrategien bei Ausfall einer
der Komponenten
- Die Systemdokumentation wird vom Projektteam an den Kunden übergeben
- Der Kunde führt eine Endabnahme des Systems in seiner vorgesehenen
Einsatzumgebung durch und gibt es für den produktiven Betrieb frei